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„Glubschaugen“: nicht so harmlos, wie der Name vermuten lĂ€sst

Helga Boschitz
Helga Boschitz
Aktualisiert am 02. Januar 2020

„Glubschaugen“: das ist erst einmal ein ziemlich flapsiger Ausdruck fĂŒr große, vielleicht auch intensiv blickende Augen, die aus den Augenhöhlen hervortreten. Doch eigentlich steht diese zunĂ€chst harmlos klingende Bezeichnung fĂŒr ein Krankheitsbild, das keineswegs unterschĂ€tzt werden sollte. Hervortretende Augen (medizinisch Exophthalmus) sind in aller Regel das Symptom einer ernstzunehmenden Erkrankung und damit weit mehr als nur ein Ă€sthetisches Problem. FĂŒr die Betroffenen können „Glubschaugen“ nicht nur körperlich, sondern auch psychisch eine große Belastung darstellen.

 

Was sind Glubschaugen?

 

Glubschaugen sind der umgangssprachliche Begriff fĂŒr den sogenannten Exophthalmus, auch Protrusio bulbi oder Proptosis bulbi genannt. Die lateinischen Fachbegriffe können mit „Herausstehen des Auges“ oder „Hervorwölbung des Augapfels“ ĂŒbersetzt werden. Der etwa 2,5 cm große Augapfel mit Muskeln, Nerven, GefĂ€ĂŸen, Fett- und Bindegewebe sowie der TrĂ€nendrĂŒse liegt sicher eingebettet in der Augenhöhle im Kopf, der sogenannten Orbita. Diese bietet dem gesamten Auge normalerweise genĂŒgend Platz, um den Augapfel (Bulbus oculi) nur leicht aus den Augenhöhlen hervortreten zu lassen. Manchmal kann es allerdings durch verschiedene Erkrankungen zu einer Schwellung des in der Augenhöhle liegenden Gewebes kommen. Da der natĂŒrliche Platz in der knöchernen Höhle begrenzt ist, muss in diesen FĂ€llen der Augapfel nach außen treten.

 

Bei den „Glubschaugen“ handelt es sich nicht einfach um große Augen, die auf viele ja attraktiv wirken. In den meisten FĂ€llen wirken Menschen mit stark hervortretenden Augen eher ein wenig grotesk, ihr Blick ist oft starr oder wirkt erschreckt („Blick aus weit aufgerissenen Augen“), das Zwinkern ist erschwert, in schweren FĂ€llen sogar unmöglich. Dadurch trocknet das Auge hĂ€ufig aus, sodass es zu EntzĂŒndungen und sogar zu Hornhautrissen kommen kann. In schwereren FĂ€llen wird auch der Sehnerv geschĂ€digt, es drohen Sehstörungen bis hin zum Verlust des Sehnervs.

 

Hervortretende Augen: Symptom unterschiedlichster Grunderkrankungen

 

Das Auftreten der Glubschaugen kann auf ganz unterschiedlichen Ursachen beruhen. Bei manchen zugrundeliegenden Erkrankungen tritt nur ein Auge hervor, dies wird meist als ein Anzeichen fĂŒr eine Verletzung, eine EntzĂŒndung oder auch eine Krebserkrankung (gut- oder bösartiger Tumor in der Augenhöhle) gedeutet. So kann sich etwa ein Abszess oder andere eitrige EntzĂŒndungen (Orbitaphlegmone) gebildet haben, auch die Augenmuskulatur kann entzĂŒndet sein. Ebenso kann ein heftiger Sturz oder ein Schlag aufs Auge, evtl. mit Bruch der Augenhöhle, ein „Glubschauge“ verursachen.

 

Selbst eine sehr starke Kurzsichtigkeit kann der Grund fĂŒr einen Exophthalmus sein, da hierbei der Augapfel besonders lang ist und daher mehr Platz in der Augenhöhle benötigt als vorhanden ist. Daneben gibt es auch mögliche Ursachen, die gar nicht in der Augenhöhle selbst liegen, darunter bestimmte GefĂ€ĂŸanomalien im Gehirn.

 

Bei den meisten Exophthalmus-FĂ€llen sind beide Augen betroffen. Ursache hierfĂŒr sind dann sehr hĂ€ufig zwei SchilddrĂŒsenerkrankungen, nĂ€mlich die Basedow-Erkrankung, auch Morbus Basedow genannt, und eine spezielle Form der SchilddrĂŒsenentzĂŒndung, die sogenannte Hashimoto-Thyreoiditis. Etwas seltener kann auch noch die sogenannte SchilddrĂŒsenautonomie, eine Form der SchilddrĂŒsenĂŒberfunktion (Hyperthyreose), verantwortlich fĂŒr die Glubschaugen sein. Hierbei setzen – meist bei Ă€lteren Menschen – selbststĂ€ndige Gebiete in der SchilddrĂŒse einen Überschuss an Hormonen frei.

 

Die endokrine Orbitopathie: hĂ€ufigste Ursache fĂŒr Glubschaugen

 

Verursachen diese Erkrankungen die Glubschaugen, spricht man von einer endokrinen Orbitopathie und meint damit eine autoimmun-entzĂŒndliche Krankheit der Augenhöhle, an der die SchilddrĂŒse (meist mit einer Überfunktion) beteiligt ist. Bei der endokrinen Orbitopathie, von der besonders hĂ€ufig Frauen in ihrer Lebensmitte betroffen sind, kommt es neben dem unnatĂŒrlichen Hervortreten des Auges außerdem zu Störungen der Augenbeweglichkeit, Schwellungen der Lider und der Bindehaut, trockenen Augen, HornhautentzĂŒndungen und Sehstörungen.

 

Die endokrine Orbitopathie kann ganz unterschiedlich verlaufen und sich manchmal erst nach Jahren bemerkbar machen. Die SchilddrĂŒsenĂŒberfunktion wird dabei zuweilen erst entdeckt, wenn die Augen schon eine ganze Weile Probleme machen. Die Patienten haben es oft zunĂ€chst mit entzĂŒndlichen Prozessen an den Augen zu tun, mit Rötungen, Schwellungen, DruckgefĂŒhl und hĂ€ufig trĂ€nenden Augen. Erst im weiteren Verlauf zeigt sich dann das unnatĂŒrliche Hervortreten des Augapfels mit den oben genannten Symptomen. Nicht immer sind beide Augen gleichermaßen betroffen. Neben diversen Beschwerden und AuffĂ€lligkeiten am Auge (u.a. deutlich sichtbares Augenweiß unter dem oberen Lid, unvollstĂ€ndiger Lidschluss, FremdkörpergefĂŒhl, verschwommenes Sehen, erhöhte Lichtempfindlichkeit) tritt beim Morbus Basedow (benannt nach dem Entdecker der Krankheit, dem Merseburger Arzt Karl Adolf von Basedow) klassischerweise, aber nicht immer, der sogenannte Merseburger Trias auf. Dabei handelt es sich um ein dreiteiliges Symptombild aus Glubschaugen, Herzrasen und einer VergrĂ¶ĂŸerung der SchilddrĂŒse, die sich in einem deutlich sichtbaren Kropf am Hals zeigt.

 

Immer ein Fall fĂŒr den Facharzt

 

Mit hervortretenden Augen sollte man in jedem Fall zum Arzt gehen, egal ob sie als alleiniges Symptom oder zusammen mit anderen Beschwerden auftreten. Bei einer akuten Verletzung, etwa durch einen Schlag oder Sturz, wird man sich ohnehin sofort behandeln lassen – und das ist auch gut so, denn Verletzungen am Auge sind gefĂ€hrlich und mĂŒssen schnell durch einen Facharzt therapiert werden.

 

Etwas lĂ€nger wird meist mit dem Arztbesuch gewartet, wenn keine klaren Symptome vorliegen. Eine AugenentzĂŒndung wird oft mit Hausmitteln oder rezeptfreien Augentropfen behandelt, SchilddrĂŒsenerkrankungen zeigen sich hĂ€ufig zunĂ€chst in Beschwerden, die einer anderen Ursache zugeordnet werden, etwa in MĂŒdigkeit und Antriebslosigkeit, oder im Falle der SchilddrĂŒsenĂŒberfunktion durch Unruhe, Schwitzen, unerklĂ€rbare Gewichtsabnahme, starkes Herzklopfen und Schlafstörungen.

 

Wird dann doch der Arzt – oft erst einmal der Hausarzt – aufgesucht, wird dieser an den Augenarzt ĂŒberweisen, bei Verdacht auf SchilddrĂŒsenbeteiligung an einen Endokrinologen, also einen Facharzt fĂŒr DrĂŒsenerkrankungen. Wird schließlich die Diagnose endokrine Orbitopathie gestellt, stimmen sich die FachĂ€rzte bei der nachfolgenden Behandlung ab.

 

Umfangreiche Untersuchungen fĂŒhren zur Diagnose

 

Bevor es bei einem Menschen mit Exophthalmus zu einer klaren Diagnose kommt, mĂŒssen mitunter umfangreiche und langwierige Untersuchungen durchgefĂŒhrt werden. Schließlich muss er Grund fĂŒr das Hervortreten des Auges oder der Augen gefunden werden, um dann entsprechend behandeln zu können. Der Augenarzt wird nach einem ausfĂŒhrlichen Anamnese-GesprĂ€ch mit dem Patienten zunĂ€chst einen Sehtest und eine umfassende Augenuntersuchung durchfĂŒhren. Um die Augenvorwölbung genau zu vermessen, wird ein spezielles DiagnosegerĂ€t eingesetzt, das Exophthalmometer. Je nach Verdacht können dann auch noch Untersuchungen der Augenhöhle mittels Röntgen, Ultraschall, Computertomographie oder Kernspintomographie-Untersuchungen folgen. Zugleich wird der Augenarzt ggf. eine Blutuntersuchung anordnen, um eine mögliche SchilddrĂŒsenstörung und andere entzĂŒndliche Prozesse im Körper zu ermitteln bzw. auszuschließen. Wird eine SchilddrĂŒsenanomalie entdeckt, erfolgt dann die Überweisung zum entsprechenden Facharzt, also dem Endokrinologen.

 

Behandlung je nach Ursache

 

Die Behandlung richtet sich immer nach der diagnostizierten Grunderkrankung. Liegt eine SchilddrĂŒsenĂŒberfunktion bzw. eine endokrine Orbitopathie zugrunde, muss der Patient regelmĂ€ĂŸig SchilddrĂŒsenblocker einnehmen und parallel die SchilddrĂŒse kontinuierlich vom Arzt kontrollieren lassen. Manchmal kommt auch eine Entfernung der SchilddrĂŒse durch eine Operation in Frage.

 

Nicht immer kommt es durch die medikamentöse Behandlung der SchilddrĂŒse auch zu einer deutlichen Verbesserung der AugenverĂ€nderungen. Dann muss der Exophthalmus noch gezielter behandelt werden, etwa mit Kortison oder Bestrahlungen.

 

Liegt eine entzĂŒndliche Erkrankung der Augenhöhle vor, wird meist ein Antibiotikum verordnet. Tumoren in der Orbita können operativ entfernt oder mit Chemotherapie und Bestrahlungen bekĂ€mpft werden.

 

Daneben wird auch symptomatisch behandelt, vor allem um weitere SchĂ€digungen der Augen zu vermeiden. Gegen das Austrocknen der Augen gibt es sehr wirksame Befeuchtungsmittel in Form von Tropfen, Sprays oder Gels, hĂ€ufig mit dem Wirkstoff Hyaluron. EntzĂŒndungen werden mit entzĂŒndungshemmenden PrĂ€paraten bekĂ€mpft. Bei starker Lichtempfindlichkeit helfen getönte BrillenglĂ€ser als Lichtschutz.

 

Prognose und Möglichkeiten der Vorbeugung

 

Leider kommt es in vielen FÀllen auch durch gezielte medizinische Behandlung nicht zu einer wirklichen Verbesserung des Exophthalmus, die Glubschaugen bleiben also oft bestehen. Da viele Patienten hierunter sehr leiden, ist hÀufig auch eine begleitende psychotherapeutische Behandlung anzuraten.

 

Menschen, die ein erhöhtes Risiko haben, selbst „Glubschaugen“ zu entwickeln, können dies durch entsprechendes Verhalten zumindest verringern. So kann eine regelmĂ€ĂŸige Kontrolle der SchilddrĂŒsenwerte im Blut frĂŒhzeitig VerĂ€nderungen anzeigen, die dann noch gut behandelt werden können. Wer mit einer SehschwĂ€che oder anderen Augenproblemen zu tun hat, sollte die Augen und die Sehkraft mindestens einmal pro Jahr beim Augenarzt bzw. beim Optiker untersuchen lassen.

 

Über die Autor:innen

Helga Boschitz

Helga Boschitz

Helga Boschitz, Jahrgang 1966, ist freie Journalistin und Texterin, lebt in NĂŒrnberg und gehört seit Januar 2016 zum apomio.de-Team. Nach Studium und Ausbildung arbeitete sie seit Anfang der 1990er-Jahre als Magazinredakteurin und Moderatorin in Hörfunk- und Fernsehredaktionen u.a. beim SĂŒdwestrundfunk, Hessischen Rundfunk und Westdeutschen Rundfunk. Medizin- und Verbraucherthemen sind ihr aus ihrer Arbeit fĂŒr das Magazin „Schrot und Korn“ sowie aus verschiedenen TĂ€tigkeiten als Texterin vertraut.

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